Familienpolitik in Berlin

Online gestellt von admin am 6. September, 2012

Familienpolitik ist heutzutage eine Querschnittsaufgabe über alle Handlungsfelder der Gesellschaft hinweg. Sie soll sich um bildungsferne Migranten kümmern oder Unterschichtsfamilien integrieren, das verloren gegangene Terrain im Bildungsbereich wiedergewinnen, der Wirtschaft Arbeitskräfte erschließen und die Zahl der Neugeborenen für die Rentensicherung  erhöhen. Um nur einige Ziele zu nennen. 

Bekommen Familien aber wirklich die Hilfe, die sie brauchen? 

Die Hauptfrage um die sich die Politik kümmern sollte ist die Frage wie man die Eltern in die Lage versetzen kann, ihre Kinder in Freiheit und Verlässlichkeit zu erziehen? Dabei ist es das Beste für die Kinder, wenn beide Eltern mit den angebotenen Rahmenbedingungen gut leben können. Zufriedene Eltern bieten Kindern die Bindungssicherheit, mit der sie sich entwickeln können. Familienpolitik soll dabei das individuell durch die Eltern gestaltete familiäre Miteinander unterstützen. Allerdings muss man hierbei auch feststellen, dass in die Familienpolitik die unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen eingreifen, um ihre Interessen durchzusetzen – denken wir nur mal an die ideologisch vergiftete Diskussion um das „Betreuungsgeld“, – die wir hier  nicht vertiefen wollen.

In Berlin wurden – insbesondere in der letzten Legislatur – die familienpolitischen Aktivitäten verstärkt. Dabei war das Hauptinteresse des Senats auf die Verwirklichung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie gerichtet, insbesondere verspricht man sich einen Standortvorteil durch ausreichende und kostenfreie Kindertagesplätze. So versteht sich auch die Feststellung des Senats, dass die Attraktivität Berlins in der kostenfreien Linie von Kita (die letzten drei Kitajahre sind kostenfrei bis auf den Essenszuschuss der Eltern)  bis zum Studienplatz liegt.

Bereits 2004 wurde das Bündnis für Familie Berlin und mehrere lokale Bündnisse für Familien in den Bezirken gegründet. Ziel war es, vor Ort die unterschiedlichsten Gruppen in der Bevölkerung und die ortsansässigen Unternehmen zusammen zu bringen, um den Rückhalt von Familien zu stärken und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern. Die lokalen Bündnisse handeln , wo die Familien und Bündnispartner in den Bezirken besonderen Bedarf sehen und eine familienfreundliche Infrastruktur weiterentwickeln wollen.

Der Berliner Beirat für Familienfragen wurde vom Senat 2008 eingerichtet und spiegelt ein Fachgremium zur Beratung des gesamten Senats wider, dass sich aus Vertretern aller gesellschaftlichen Gruppen in Berlin von Vertretern des Abgeordnetenhauses über die IHK und Gewerkschaften bis zur Wohlfahrt zusammensetzt. 2011 brachte der Beirat den Berliner Familienbericht unter dem Titel „Zusammenleben in Berlin“ heraus. Der Bericht wurde über drei Jahre in Workshops und Onlineforen u.a. in dialogischer Form mit interessierten Familien entwickelt. Er beschreibt die fünf wichtigsten Themenfelder von Familienpolitik in Berlin: Vereinbarkeit von Familien und Beruf, familienrelevante Bildungsaspekte, Weiterentwicklung einer familienfreundlichen Infrastruktur, Bekämpfung von Familienarmut sowie familienfreundliche Regionen und Stadtquartiere.

Der Beirat richtete in seinem Bericht Handlungsempfehlungen an den Senat und die Berliner Politik für die kommenden Jahre. Familienpolitische Themen sollen in den Vordergrund gerückt und das Verwaltungshandeln vernetzt und abgestimmt werden. In den Bezirken sollen Familienbüros als Anlaufstellen für Familien entstehen. Weitere Familienzentren werden benötigt. Die Kindertagesbetreuung ist mit flexiblen Betreuungsangeboten zu ergänzen. Pflegende Familienmitglieder benötigen Unterstützung bei der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege. Familienfreundliche Strukturen müssen vor Ort in den Quartieren entstehen und die hohe Zahl der fehlenden Schulabschlüsse bei Schulabgängern muss sich verringern. Die Armut von Familien ist mit geeigneten Maßnahmen zu bekämpfen. Familiengerechtes Wohnen muss Eingang in die städtebaulichen Planungen finden. Familienbildungsangebote müssen weiter unterstützt und strukturell verankert werden. Nicht zuletzt benötigt Berlin ein Familieninformationsportal, in dem Familien zeitnah alle wichtigen Informationen für die Gestaltung ihres Alltags finden. Mit der Seite von www.elterninfo.net des Berliner Bündnisses für Familie ist hier ein erster Schritt gemacht.

Autor: Martin Leinweber, Geschäftsführer Deutscher Familienverband e.V., Landesverband Berlin

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