Freiwillige unterstützen Familien

Online gestellt von Katja Brendel am 3. Januar, 2012

Das Leben von Familien hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten in Deutschland stark gewandelt. Gesellschaftliche Entwicklungen, die oft mit Begriffen wie Individualisierung und Enttraditionalisierung beschrieben werden, haben Lebenswirklichkeiten für heutige Familien hervorgebracht, die sich von denen der Elterngeneration maßgeblich unterscheiden.

Die räumliche Entfernung zwischen erwachsenen Kindern und ihren Herkunftsfamilien hat nicht zuletzt bedingt durch die berufliche Mobilität zugenommen. Als Folge ist festzustellen, dass familiäre Netzwerke, gewachsene Freundeskreise oder Nachbarschaftsbeziehungen als Unterstützungsressource für junge Familien oft nicht mehr zur Verfügung stehen. Deshalb kommt der Entlastung von Eltern durch institutionelle Angebote heute eine herausragende Rolle zu.

Flexible Kinderbetreuung

In den zurückliegenden Jahren hat sich eine große Bandbreite von Projekten und Angeboten entwickelt, welche Unterstützung anbieten. Neben kommerziellen Angeboten wie Babysittervermittlungen gibt es Projekte, welche bei freien Trägern angesiedelt sind und sich der flexiblen Kinderbetreuung außerhalb der Öffnungszeiten von Kita und Horten widmen. Dazu gehören beispielsweise Projekte, die im Netzwerk Berliner Kinderbetreuungsprojekte organisiert sind.

Mentoring und Patenschaft

Darüber hinaus setzen mehr und mehr Angebote auf bürgerschaftliches Engagement. Hier gliedert sich das Feld auf in Projekte, welche die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen über längere Zeiträume begleiten wollen. Neben Unterstützung geht es hier oft auch um Bildung und den Ausgleich von Benachteiligungen, wie beispielsweise bei der Initiative Arbeiterkind.de. Diese richtet sich an Schüler/innen und Studierende, die als erste in ihrer Familie einen Studienabschluss anstreben. Diese können über die Internetplattform Kontakt zu Mentor/innen aufnehmen und sich Rat holen. Eine große Anzahl weiterer Mentoring- und Patenprojekten findet sich in der Projektdatenbank der „aktion zusammenwachsen“.

Freiwillige unterstützen Familien im Alltag

Andere Angebote wie beispielsweise „wellcome – Praktische Hilfe für Familien nach der Geburt“ fokussieren sich auf die alltagspraktische Unterstützung von Familien. Ziel ist es, Familien präventiv Entlastung zu bieten und vor Überforderung zu schützen. In Abgrenzung zu langfristigen Patenmodellen wird die Unterstützung als zeitlich befristete Nachbarschaftshilfe organisiert.

Der Einsatz von Freiwilligen bietet zahlreiche Chancen. Eine der wichtigsten besteht darin, dass die Hilfe von Freiwilligen auf einer anderen Motivation basiert, als die Unterstützung von Fachkräften oder Dienstleistern. Auf der Ebene des Einzelnen ist freiwilliges Engagement insbesondere im sozialen Bereich Ausdruck der Anteilnahme und des Interesses am Wohlergehen anderer Menschen.

Aufgrund ihrer spezifischen Haltung, die von den Hilfeempfangenden als nicht kontrollierend oder stigmatisierend wahrgenommen wird, gelingt ihnen mitunter der Zugang zu belasteten Familien, welche entweder keine fachliche Hilfe erhalten oder annehmen würden. Eine Mitte der 1990er Jahre durchgeführte Studie der Alice-Salomon-Fachhochschule Berlin belegt diese Beobachtung. „Ehrenamtliche stellen eine besondere Nähe zu den hilfebedürftigen Menschen her und verleihen sozialer Arbeit jene spezielle Form der persönlichen Zuwendung, die in vielen Fällen Voraussetzung für eine Verbesserung der Situation der Betroffenen ist.“

Voraussetzungen der Freiwilligenarbeit

Neben Chancen hat die Arbeit mit Freiwilligen natürlich auch Grenzen. Je nach Angebot sind diese in Abgrenzung zu professionellen Angeboten der sozialen Arbeit auszuloten. Die Gratwanderung besteht in vielen Fällen darin, freiwilliges Engagement nicht zum Lückenbüßer für unzureichend finanzierte soziale Strukturen zu machen. Zudem gilt es auch, die Freiwilligen vor Überforderungen zu schützen, sie also nicht in Situationen in den Einsatz zu bringen, welche professionelle Hilfen erfordern.

Last but not least gilt es darauf hinzuweisen, dass auch freiwilliges Engagement nicht zum Nulltarif zu haben ist. Für gewinnbringendes freiwilliges Engagement braucht es gute Rahmenbedingungen und klare Regelungen. „Freiwillige wollen das Gefühl haben, gebraucht zu werden. Es ist für sie von großer Bedeutung zu wissen, dass ihre Arbeit wichtig ist und sie etwas bewirken. Sie erwarten, dass ihre Arbeit gewürdigt wird und man sich Zeit für sie nimmt.“

Organisationen, die Freiwilligenarbeit nutzen wollen, müssen diese Arbeit planen, ihre Freiwilligen anleiten und unterstützen. Da sich Ehrenamtliche freiwillig und unentgeltlich engagieren, tun sie dies nur solange, sie „ein gutes Gefühl“ haben.

Die Bedeutung derartig gelingender Kooperation und Integration von professionellen, freiwilligen und familialen Unterstützungsleistungen für die Familienfreundlichkeit unserer Gesellschaft betont bereits der 7. Familienbericht des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Jahr 2006. Da künftig ein „Teil der Generationenbeziehungen (…) zunehmend außerhalb herkömmlicher Familienstrukturen stattfinden“ wird, „Familie kleiner, bunter und mobiler wird, können wir auf das Geben und Empfangen von Alltagssolidaritäten nicht verzichten. Wir müssen deshalb neue Netze schaffen, um die Vorteile der früheren Großfamilie in moderne Sozialstrukturen“ zu übertragen.

Quellen:

Geschichte der Ehrenamtlichkeit

Möglichkeiten des Volonteering in dem Bereich der Hilfen zur Erziehung

Siebter Familienbericht

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