Familien- und Elternzentren in Berliner Kitas

Online gestellt von RolandGeiger am 12. Dezember, 2011

Was gibt es bereits? Was soll entstehen? Der Ausgangspunkt: Bildung ist Zukunft – das Berliner Bildungsprogramm für die Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern ist vor gut fünf Jahren an den Start gegangen. Die individuelle Förderung steht nun noch stärker im Fokus und kein Kind soll davon ausgeschlossen sein.

Da Kitas ein Teil des Kiezes und nah dran an Eltern sind, wächst ihnen – wenn sie zu Familienzentren werden – eine besondere Rolle zu, beispielsweise für frühe Hilfen nach der Geburt oder für Momente besonderen Unterstützungsbedarfs.

Ein Familienzentrum ist in einer im Wohnumfeld bekannten und vertrauten Kindertagesstätte angesiedelt. Hier finden auch Aktivitäten für Kinder statt, die nicht in der Kita betreut werden. Außerdem bietet das Familienzentrum Informationen und Beratung für Eltern, fördert deren Selbsthilfeaktivitäten und vernetzt sich mit anderen Angeboten in der Umgebung.

Auf dieser Grundlage beabsichtigt die verantwortliche Senatsverwaltung schrittweise ein Netzwerk von 100 Familienzentren in Berliner Kitas zu fördern.  Um diese sinnvolle Planung voranzutreiben, haben die Stiftung Parität Berlin und die Jugend- und Familienstiftung Berlin (jfsb) im Jahr 2011 das Förderprogramm „Kita, Familie & mehr“ ausgeschrieben. Dadurch werden Träger von Kindertagesstätten unterstützt schon jetzt Teilaspekte der Familienzentren umzusetzen. Weitere Informationen zum Förderprogramm unter www.jfsb.de

Beispiel: Piazza – Kompetenzzentrum Familie und Nachbarschaft
Ein niedrigschwelliges Angebot der Elternbildung und -beratung

 

Entstehung

Stützrad e.V. als Freier Träger der Jugendhilfe, mit langjährigen Erfahrungen in den ambulanten Hilfen zur Erziehung, hat nach Möglichkeiten gesucht, Familien, die Rat und Unterstützung benötigen, diese leicht zugänglich, das heißt, ohne Wartezeiten und zusätzliche Wege, zur Verfügung zu stellen. Deshalb sind wir mit unserer Arbeit an den Ort gegangen, an dem die meisten Eltern sich zweimal am Tag aufhalten – den Kindergarten. Unsere Angebote richten sich an Eltern die Fragen oder Probleme haben. Da unsere Arbeit sehr früh in der Elternbiographie beginnt, leistet sie einen wichtigen Beitrag im Bereich der Frühen Hilfen.

Arbeitsweise

Der wichtigste Bereich unserer Arbeit ist die offene Basis-, Erziehungs- und Familienberatung, die einmal wöchentlich zu einer festen Zeit im Kindergarten angeboten wird. Diese Sprechstunde können Eltern ohne vorherige Anmeldung und ohne, dass für sie Kosten entstehen, in Anspruch nehmen. Damit sind drei wichtige Prinzipien unserer Arbeit genannt: Sie findet zuverlässig zu festen Zeiten statt, ist kostenlos und es fallen keine zusätzlichen Wege und Wartezeiten an.

Neben der Beratungssprechstunde bieten wir thematische Elternnachmittage zu Themen die von den Eltern gewünscht wurden, an. Während dieser Veranstaltungen werden die Kinder im Kindergarten betreut.

Am Angebot des Elterncafés schätzen die Eltern, dass ihnen ein nichtkommerzieller Treffpunkt zur Verfügung steht, an dem sie untereinander in Kontakt treten, sich gegenseitig unterstützen und sich über Erziehungsfragen austauschen können. Gerade für Eltern mit sonst wenigen Kontakten ergibt sich hieraus oft hilfreiche Unterstützung. Darüber hinaus empfehlen sich die Eltern gegenseitig, bei Fragen und Problemen, die Beratungssprechstunde aufzusuchen.

In die beschriebene Arbeit sind die Erzieherinnen, als wichtige Vertrauenspersonen der Eltern, sehr eng einbezogen. Sie laden zu den Elternbildungsveranstaltungen ein und bauen eine Brücke zur Beratungssprechstunde, wenn Schwellenängste bestehen.

Nicht selten suchen Erzieherinnen und Eltern gemeinsam die Sprechstunde auf, um gemeinsam für das Wohl des Kindes sorgen zu können.

Chancen

Sehr wichtig für den Aufbau von gegenseitigem Vertrauen, ohne das wir nicht arbeiten könnten, ist die Möglichkeit, die Angebote von Piazza zuverlässig und langfristig anbieten zu können. Wenn diese Zuverlässigkeit gewährleistet ist, bietet unser Konzept die Chance, gemeinsam mit den Familien und ggf. den Erzieherinnen, familiäre Probleme zu bearbeiten bevor sie schwerwiegender werden. Mit relativ wenig personellem und zeitlichem Aufwand lassen sich viele Familien erreichen und können wir für Entlastung sowohl für die Eltern, als auch für die Erzieherinnen sorgen.

Zitat von Frau G., Mutter in einem unserer Kooperationskindergärten: „Ich hätte gar nicht die Kraft, woanders in die Beratung zu gehen. Hier bin ich morgens sowieso.“

Das Angebot „Piazza“ wurde 2010 evaluiert. Den Bericht finden sie hier: www.stuetzrad.de

Geschrieben von: Roland Geiger (jfsb) und Anja Barthel-Kuhl (Stützrad e.V.)

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